Die heiligen Wahrheiten stürzen. Von Harold Bloom (1991). Vergrößern

Die heiligen Wahrheiten stürzen. Von Harold Bloom (1991).

Gut.

Suhrkamp Verlag.

Dichtung und Glauben von der Bibel bis zur Gegenwart.

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8,99 €

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Art des Bucheinbandes: Gebundene Ausgabe

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Harold Bloom gilt mit einigem Recht als der eigenwilligste unter den akademischen Literaturkritikern Amerikas. Beeinflußt von Texten der jüdischen Tradition einschließlich der kabbalistischen, von den schwarzen Romantikern der englischsprachigen Literatur, von Sigmund Freud und Franz Kafka, gleitet Bloom in seinen Textlektüren von pragmatisch getroffenen Umdeutungen zu radikalen neuen Lesarten. Dabei eröffnet er ebenso verblüffende wie einnehmende Perspektiven auf kanonisierte Texte, deren Verankerung in der Tradition genau dem im Wege steht, was sie wieder neu und originär machen könnte: einer eigenständigen Lektüre. 

Verblüffend genug beginnt Bloom mit einer Lesart der Hebräischen Bibel, deren Autorenschaft er über Textmotive spekulativ zu fassen sucht. Dabei liest Bloom zweimal gegen den Strich: einmal, indem er die verworfene Frage nach der Autorenschaft noch einmal neu stellt, und ein zweites Mal, wenn er, mit Freud, sexuelle Subjektivität in Texten erschließt, die in ihren historischen Übersetzungsvarianten den sexuellen Kern bedeutsam verhüllen. Blooms Lesarten sind pragmatisch und romantisch. 

Damit sind auch die Differenzen zu anderen literaturkritischen Zirkeln und Ansätzen beschrieben: von den Dekonstruktivisten trennt ihn die Aufladung des poetischen Textes als Akt, als "Funken", wie er es selbst nannte, und die Aufladung des Kritikers als Interpreten, dessen Interpretation gleichermaßen Akt, "Funken" ist. Der Kampf, in dem Texte und auch Interpreten miteinander liegen, kann für Bloom von der Rhetorik der Ironie der Dekonstruktivisten nicht unterboten werden, weil sie selbst immer schon ironisch sind. Selbst glänzender Rhetoriker, beharrt Bloom gleichwohl auf der Faktizität poetischer Texte als Wortschöfpung im komplexen Bedeutungsfeld des Wortes. 

Bloom, der sich selbst als jüdischen Gnostiker sieht, betont, aus so verschiedenen Texten wie der Bibel und Kafka, Freud und Milton die Vernetzung von Pragmatismus und Romantik, von literarischer Tradition und Bruch mit dieser.

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