Bayern - Ungarn, Tausend Jahre. Von Wolfgang Jahn (2001). Vergrößern

Bayern - Ungarn, Tausend Jahre. Von Wolfgang Jahn (2001).

Gut.

Bayern - Ungarn, Tausend Jahre. Bajororszag es Magyarorszag 1000 eve.

Haus der Bayerischen Geschichte.
Weitere Autoren: Christian Lankes, Wolfgang Petz, Evamaria Brockhoff.

Inhalt

8,90 €

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Bucheinband

Art des Bucheinbandes: Taschenbuch

Inhalt

Grußwort
von Hans Zehetmair, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst:

Wer man selbst ist, das erfährt man erst aus dem Umgang mit anderen. Diese individuelle Erfahrung gilt auch für das Verhältnis von Völkern und Kulturen. Die bayerische Geschichte ist immer die Geschichte Bayerns und der Bayern, die wir mit anderen teilen. Und dasselbe gilt für die Geschichte Ungarns, das über viele Jahrhunderte eine gemeinsame Grenze mit dem Herzogtum Bayern besaß. Die geschichtlichen Verbindungen sind reich und vielfältig und verdienen ins allgemeine Bewusstsein gehoben zu werden, nachdem die unnatürliche Teilung MItteleuropas durch den so genannten "Eisernen Vorhang" aufgehoben ist. 

Die Ausstellung "Bayern - Ungarn" bringt Ausschnitte aus der umfassenden politisch-wirtschaftlich-kulturellen Geschichte Mitteleuropas. Sie durchmisst über tausend Jahre, in denen sich unsere Welt tiefgreifend verändert hat. Sie hat ihren Auftakt in den verschiedenartigen Berührungen der östlichen udn westlichen Völkerschaften seit dem 9. Jahrhundert und hat ihr erstes Hauptkapitel in der Zeit vor tausend Jahren, als der erste christliche König Ungarns den Namen des Passauer Bistumspatrons, des heiligen Stephan, annahm und sich mit Geisela, der Tochter des bayerischen Herzogs, vermählte. 

Aus dem Stammesherzogtum Bayern entstanden über die Jahrhunderte hinweg ganz anders zusammengesetzte Gebilde. So bildete sich als eigenständiges Territorium Österreich heraus und so wurde aus dem Herzogtum Bayern das Kurfürstentum und später das Königreich Bayern und war etwas anderes als der heutige ungarische Staat: Teile Rumäniens, Österreichs, Sloweniens, der Ukraine, Serbiens, die Gebiete der Slowakischen Republik und Kroatien gehörten noch bis zum Ersten Weltkrieg dazu. 

Ungarn war das Tor nach Südosten, von wo Einflüsse der Kulturen Asiens nach Europa vermittelt wurden. Die landnehmenden Ungarn selbst verpflanzten Elemente der zentralasiatischen Steppenkultur nach Europa, übernahmen jedoch auch Traditionen der bunt gemischten Vorbevölkerung. Erste Missionsansätze bayerischer Bistümer und Klöster konkurrierten mit der byzantinischen Kirche, die sich ebenfalls um eine Bekehrung der heidnischen Reiterkrieger bemühte. Auch die Herrschaft der Osmanen über weite Teile des Landes im 16. und 17. Jahrhundert konnte Ungarn nicht dauerhaft an den orientalischen Kulturkreis binden. Geschichtsmächtiger erwiesen sich letztlich die Bindungen an den Westen. 

Dazu trugen auch die besonderen Beziehungen Bayerns und Ungarns bei. Sie beruhen zunächst einmal auf der Verbindung durch den Strom der Donau, der beide Länder durchfließt. Nicht zufällig ist Passau als Ausstellungsort gewählt. Hier liegt nicht nur im Kloster Niedernburg Gisela, die erste Königin des christlichen Ungarn, begraben. Wie hoch ihr Andenken noch heute in Ehren gehalten wird, zeigen eindrucksvoll die zahlreichen Blumengebinde und Bänder in den ungarischen Farben an ihrem Grab. Die Wallfahrtskirche von Maria Hilf erinnert an die bayerisch-ungarische Allianz gegen die Türken. Passau war aber auch in jüngerer Vergangenheit als Grenzort immer wieder Schauplatz historischer Begegnungen. Hier fanden 1956 nach der brutalen Niederschlagung des ungarischen Aufstands Emigranten Aufnahme und 33 Jahre später verkündetete die Ankunft der ersten aus Ungarn ausgereisten DDR-Bürger das Ende des Eisernen Vorhangs. 

Nach Passau ist Regensburg hervorzuheben. Symbolträchtig liegt hier am Ufer der Radzugdampfer "Ruthof", gebaut 1922/23 auf einer Regensburger Werft. Unter dem Namen "Rsekcsanad" tat er nach dem 2. Weltkrieg Dienst in Ungarn, wurde schließlich 1979 vom Regensburger "Arbeitskreis Schiffahrtsmuseum" erworben und zum heutigen "Donau-Schiffahrts-Museum" umgebaut. Die alte bayerische Herzogsstadt unterhielt schon im Hochmittelalter enge Kontakte zu Ungarn und war im 18. Jahrhundert ein Sammelplatz für Kolonisten, die stromabwärts ihr "gelobtes Land" zu finden hofften. Sie kamen vor allem aus Franken und Schwaben, wo Kaufleute aus Nürnberg und Augsburg schon Jahrhunderte vorher zu beiderseitigem Vorteil die ersten bayerisch-ungarischen Geschäftspartnerschaften initiiert hatten. 

Vergleichsweise spät erst gewinnt München an Gewicht für die bayerisch-ungarischen Beziehungen. Die Künstlerstadt zog im 19. und 20. Jahrhundert viele ungarische Maler und Intellektuelle an; Gyula Benczur war hier Akademieprofessor, der Maler Szinyei-Merse stand hier Modell für das genialische Porträt von der Hand Wilhelm Leibls, der jüngst wiederentdeckte Schriftsteller Sandor Marai genoss hier die Freiheit der Schwabinger Boheme. 

Bayern und Ungarn sind im 20. Jahrhundert schicksalhaft verbunden, vor allem durch die dramatischen politischen Ereignisse. Erinnert sei an die Räteherrschaft 1919, die in Budapest wie in München ausgerufen wurde, an die Kriegsereignisse des 1. und 2. Weltkriegs, an Flucht und Emigration von Deutschen und Ungarn in der Zeit des Dritten Reichs, mit Ende des Zweiten Weltkriegs und 1956, und schließlich 1989 mit dem Ende er europäischen Teilung. 

Es wird Zeit sich der Verbundenheit bewusst zu werden, er vielen gemeinsamen geschichtlichen Wurzeln, aber auch der reizvollen Verschiedenheiten, welche die Landschaften Mitteleuropas so vielfältig und schön machen. 

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